Brust ausgepackt

Anwältin stillt Baby mitten im Gerichtssaal

© Getty Images/Cavan Images RF
Für Anwältin Julia Dokara gehört ihr Baby manchmal einfach mit in den Gerichtssaal. Wird der Kleine während einer Verhandlung hungrig, gibt es für die 32-Jährige keine lange Pause: Sie stillt ihn einfach – sogar während einer Vernehmung.
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Julia Dokara aus Wiesbaden ist selbstständige Rechtsanwältin und Mutter von zwei Söhnen. Ihren jüngeren Sohn, der im Mai 2024 geboren wurde, nahm sie von Beginn an mit zu Gerichtsterminen.

Denn anders als bei ihrem ersten Kind wollte sie diesmal nicht ständig abgepumpte Milch vorbereiten. Und ihr Baby machte offenbar schnell klar, was es davon hielt: In praktisch jeder Verhandlung wollte der Kleine gestillt werden.

Auf Instagram berichtet Dokara ihren rund 118.000 Followern von ihren Erfahrungen. "Es gibt niemanden bei Gericht, der meine Brüste nicht kennt", schreibt sie scherzhaft.

Besonders kurios wurde es bei einer Vernehmung. Während ein Zeuge aussagte, erklärte die Anwältin plötzlich: "Bitte lassen Sie sich nicht irritieren, ich muss nur kurz meine Brust auspacken."

Richter nimmt das Baby auf den Arm

Die Reaktionen im Gericht überraschten Dokara selbst. Statt empörter Blicke habe es meist erstaunlich gelassen zugegangen.

Ein Richter bot ihr sogar an, das Baby zu schaukeln. Auch von gegnerischen Anwälten oder Mandanten habe sie keine negativen Reaktionen erlebt.

"Dass ich im Termin gestillt habe, wurde bei knapp 50 Gerichtsterminen nicht einmal negativ kommentiert. Nicht vom Richter. Nicht vom gegnerischen Anwalt. Nicht vom Mandanten", berichtet sie.

Ganz ohne Humor konnte die Anwältin die ungewöhnliche Situation allerdings nicht nehmen. "Es gab kurzzeitig eine Phase, wo ich überlegt habe, dem Gegner einfach Milch ins Gesicht zu spritzen", erzählt sie auf Instagram.

Drei Wochen nach der Geburt wieder vor Gericht

Nicht alle fanden die Situation allerdings lustig. Einige ihrer Follower kritisierten, dass Dokara bereits rund drei Wochen nach der Geburt wieder vor Gericht stand.

"Es heißt nicht umsonst Wochenbett und nicht Wochengerichtssaal", schrieb eine Nutzerin.

Dokara erklärt jedoch, warum sie damals keine lange Pause machen konnte: "Ich bin selbstständige Rechtsanwältin. Mutterschutz? Gibt’s nicht. Elternzeit? Kann ich mir nicht leisten."

Außerdem habe damals ein Mandant dringend Hilfe gebraucht. Er hatte Probleme mit seinem Vermieter und drohte, seine Wohnung zu verlieren. Es handelte sich um ein Eilverfahren.

"Das konnte nicht warten", erklärt Dokara.

Am Ende litt nur die Anwaltsrobe

Bei allem Stress zieht die Anwältin ein positives Fazit. Ihr Baby konnte bei ihr sein, sie konnte weiterarbeiten – und offenbar störte sich im Gericht kaum jemand daran.

Nur ihre Kleidung hat unter den ungewöhnlichen Gerichtsterminen etwas gelitten.

"Die hat jetzt ein paar Milchflecken mehr und ein paar Knöpfe weniger", schreibt Dokara über ihre Anwaltsrobe.

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