Seit Ende September steht fest: Ardo dreht das Werk in Groß-Enzersdorf zu. Rund 240 Beschäftigte verlieren ihren Arbeitsplatz. Damit bricht auch eine wichtige regionale Wertschöpfungskette weg, denn bisher wird das Gemüse aus dem Marchfeld in Österreich verarbeitet und für den heimischen Markt aufbereitet. Das trifft die Beschäftigten ebenso wie die Landwirte mit ihren Mitarbeitern.
Beim Sozialplan herrscht weiter Stillstand. Die Verhandlungen laufen, doch auch die sechste Runde endete ohne Einigung. Der Konzern lässt die Betroffenen zappeln.
Jetzt wird Druck gemacht
Die Gewerkschaften PRO-GE und GPA rufen gemeinsam mit dem Betriebsrat zur großen Protest- und Solidaritätskundgebung auf. Sie findet am Montag, 9. November, um 8.00 Uhr vor dem Ardo-Werk in der Marchfeldstraße 2 in Groß-Enzersdorf statt.
Auf der Bühne stehen Reinhold Binder (PRO-GE), Barbara Teiber (GPA), AK-Niederösterreich-Präsident Markus Wieser und Betriebsratschef Dietmar Breiner. Dazu kommen Delegationen des Landes Niederösterreich und der Bauernschaft.
Wut-Bauer: "Politik schiebt Schuld hin und her"
Während vor den Werkstoren der Zorn kocht, geht die Politik aufeinander los. FPÖ-Agrarsprecher Peter Schmiedlechner rechnet mit der "ÖVP-Ampel" ab: "Pernkopf, Totschnig und Hattmannsdorfer spielen Feuerwehr, während sie bei den Brandursachen wegschauen!" Er zählt auf: hohe Energiekosten, CO₂-Bepreisung, Bürokratie und Wettbewerbsnachteile. "Die ÖVP trägt seit Jahren politische Verantwortung", poltert Schmiedlechner.
Für ihn ist das Gerede von Regionalität reine Show. Der Selbstversorgungsgrad bei Gemüse liegt laut Statistik Austria nur noch bei 57 Prozent, bei Obst bei 38 Prozent. "Nicht einmal sechs von zehn Kilogramm Gemüse können wir rechnerisch selbst erzeugen – und gleichzeitig verlieren wir wichtige Verarbeitungskapazitäten!", wettert der Wut-Bauer.
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Auch die Gewerkschaften im Visier
Der FPÖ-Politiker nimmt den Konzern in die Pflicht, die Beschäftigten haben Anspruch auf einen fairen Sozialplan. Zugleich richtet er eine Warnung an die Gewerkschaften: "Wenn die Betriebe verschwinden, gibt es irgendwann nichts mehr zu verhandeln außer Sozialplänen!"
Die Forderungen der FPÖ im Überblick
+ Standortkosten runter: Energie und Produktion entlasten, CO₂-Bepreisung abschaffen, Bürokratie abbauen.
+ Faire Bedingungen: Bauern vor Billigimporten schützen und Standards bei Importen kontrollieren.
+ Herkunft auf den Tisch: Kennzeichnungspflicht auch bei verarbeiteten Lebensmitteln, Tiefkühlware und in der Gastronomie.
+ Verarbeitung sichern: Mit der ETG, heimischen Verarbeitern und Investoren eine tragfähige Nachfolgelösung schaffen. Die Bauern dürfen nicht auf ihrer Ernte sitzen bleiben.
Schmiedbauers Schlusssatz: "Schöne Versprechen allein füllen weder die Felder noch die Tiefkühltruhen."
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