Grauslich
"Armer Franzl": 8 Mio. Euro für Taubenklo
Wer heute vor dem Franz-Josefs-Bahnhof steht, sieht nicht Aufenthaltsqualität, sondern Vogelkot – auf Bänken, auf Pflastersteinen, rund um jeden einzelnen der neu gepflanzten Bäume. Kinder spielen mittendrin. Ältere Anrainer balancieren zwischen den Kot-Inseln zur nächsten Bank, auf die sie sich dann doch nicht zu setzen trauen.
Zwei Transparente gegen den Dreck
Die Reaktion der SPÖ-Bezirkschefin auf die Beschwerdewelle der Anrainer: zwei mickrige Transparente. Rund um zwei der neuen Bäume ließ sie Banner aufhängen, Botschaft: "Gemeinsam für einen sauberen Alsergrund". Das war’s. Von der versprochenen Aufenthaltsqualität keine Spur – die Bankerl direkt daneben sind zugekotet, der Boden rund um die Bäume ist verdreckt. Zwei Stoffbahnen gegen ein ausgewachsenes Taubenproblem! Mehr ist der SPÖ-Bezirkschefin Saya Ahmad offenbar nicht eingefallen, und selbst das nur, nachdem sich die Beschwerden bei ihr wohl gestapelt haben.
"Leuchtturmprojekt" – aber Hauptsache gegendert
Wie stolz man in der Bezirksvorstehung trotzdem auf den Platz ist, zeigt eine Anfragebeantwortung an FPÖ-Klubobmann Gregor Amhof vom 24. August 2026. Darin lässt die Bezirkschefin wissen: "Die Umgestaltung des Julius-Tandler-Platzes und seiner Umgebung ist ein Leuchtturmprojekt im Bezirk. Der Vorplatz des Franz-Josefs-Bahnhofs war nicht mehr zeitgemäß. Mit neuen Bäumen und Beeten, Wasserspiel, moderner Pflasterung und attraktiven Sitzgelegenheiten haben wir eine Lebens- und Aufenthaltsqualität für alle Nutzer*Innen am Platz geschaffen."
"Zugekotet statt zeitgemäß"
Aufenthaltsqualität für alle Nutzer*Innen? Auf zugekoteten Bänken setzt sich niemand freiwillig hin – aber immerhin wurde ordentlich gegendert. Für die einen zählt das Ergebnis, für andere offenbar die Schreibweise.
Was Birdlife rät
Dass es auch anders geht, weiß man bei Birdlife Österreich. Evelyn Hofer, dort zuständig für Vogelschutz an Gebäuden sowie für Bildung und Citizen Science, meldet sich gegenüber oe24 "mit vogelfreundlichen Grüßen" zu Wort. Ihre klare Botschaft: Wer Taubenkot dauerhaft reduzieren will, kommt an einem "betreuten Taubenschlag" nicht vorbei. Hofer verweist darauf, dass ein solcher Schlag den Tauben gezielt Futter, Wasser und Nistplätze bietet – und die Tiere dadurch von Fassaden, Bänken und Plätzen weglockt. Entscheidend ist zudem das sogenannte "Brutmanagement": Gelegte Eier werden regelmäßig gegen Kunststoffattrappen ausgetauscht, die Population wächst dadurch nicht unkontrolliert weiter. Wichtig ist außerdem, so Hofer, dass ein solcher Taubenschlag fachkundig und regelmäßig betreut wird – nur dann funktioniert das Modell auch dauerhaft.
6,4 Mio. Euro allein im Vorjahr – und niemand hat an die Tauben gedacht
Der Platz war alles andere als ein Schnäppchen. Laut dem öffentlich einsehbaren Bezirksbudget (www.wien.gv.at/alsergrund/budget) wurden im Vorjahr rund 6,4 Mio. Euro für den Julius-Tandler-Platz bilanziert. 6,4 Mio. Euro für Bäume, Beete, Wasserspiel und Pflasterung – aber offenbar keinen einzigen Cent für ein durchdachtes Taubenmanagement. Das Ergebnis sehen und riechen die Anrainer jeden Tag.
Die Lösung liegt längst am Tisch
Dabei ist das Rezept gegen Taubenkot alles andere als neu. Betreute Taubenschläge an anderen Standorten im Bezirk, weg von Bankerln und Spielflächen, kombiniert mit Sterilisierung und Brutmanagement durch Eiertausch – das funktioniert in anderen Wiener Bezirken bereits seit Jahren, beispielsweise bei der U3-Station Ottakring. Nur am Julius-Tandler-Platz, dem angeblichen "Leuchtturmprojekt", ist davon nichts zu sehen.
Grüne-Schwendtner: "Mehr in Streetwork investieren"
"Es geht schlicht darum, dass sich die Menschen hier wieder gerne aufhalten. Einige Anwohner:innen haben uns vor Ort geschildert, dass hier Probleme bestehen, also besteht Handlungsbedarf", erklärt Matthias Schwendtner, Klubobmann der Grünen Alsergrund, der größten Oppositionspartei im Bezirk, die zuletzt nur knapp gegen die SPÖ verloren hat, schriftlich gegenüber oe24. "Die aktuellen Beschmutzungen zeigen, dass wir zusätzlich in mehr Streetwork, Aufklärung und Sauberkeit investieren müssen, damit solche Räume langfristig gepflegt und von allen genutzt werden können. Wir fordern daher verstärkte Maßnahmen, um die Aufenthaltsqualität nachhaltig zu sichern", so Schwendtner (Grüne).
FPÖ-Amhof: "Ideologie statt Taubenkobel"
FPÖ-Klubvorsitzender Gregor Amhof indes findet schärfere Worte. Anstatt ausweichender Anfragebeantwortungen (zur Bezirksvertretungssitzung vom 24. Juni 2026) fordert er von der Bezirkschefin "endlich wirksame Maßnahmen gegen den Taubenkot" – konkret einen Taubenkobel abseits der Aufenthaltsflächen, und zwar: am Donaukanal. Amhof geht davon aus, dass die Bezirkschefin diesem Vorschlag aus ideologischen Gründen nicht nähertritt, weil sie letztlich eine Vergiftung der Tauben durch Passanten befürchtet. Gemäß den Fachleuten von Birdlife kommt bei Taubenkobeln und Brutmanagement aber überhaupt kein Tier zu Schaden. Auch für die von Birdlife vorgeschlagenen, tierschutzkonformen Maßnahmen sieht Amhof bei der Bezirkschefin wenig Bereitschaft. Sein Fazit: Wer echte Lösungen aus reiner Ideologie ablehne, dürfe sich über den Unmut der Bevölkerung nicht wundern.
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Was man mit 6,4 Mio. Euro des Vorjahres alles hätte machen können
Rechnen wir kurz nach, über den Daumen: Ein Taubenschlag kostet laut Fachschätzungen für Bau und Ausstattung rund 10.000 Euro. Um dieselbe Summe, die der "Franzl" allein im Vorjahr gekostet hat, hätte man also vergangenes Jahr rund 640 – betreute!, wohlgemerkt – Taubenschläge im ganzen Bezirk errichten können. Und folglich wäre das Taubenproblem am Alsergrund nicht nur heute, sondern wohl für Jahrzehnte gelöst. Stattdessen: zwei Transparente – und ein Platz voller Kot.
oe24 bemüht sich um eine Stellungnahme von SPÖ-Bezirkschefin Saya Ahmad.
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