Lewis Hamilton (41) steht vor seinem 400. Formel-1-Grand-Prix. Ein Jubiläum, das der siebenfache Weltmeister eigentlich genießen könnte. Doch statt Glückwünschen beschäftigt ihn in São Paulo vor allem der Ärger über seinen Ferrari-Teamkollegen Charles Leclerc (28). Fünf Tage nach dem verpatzten Doppelsieg in Mexiko ist der Brite noch immer sauer. Er fordert eine Aussprache mit Leclerc und Teamchef Fred Vasseur.
"Ich war frustriert und bin es immer noch", erklärte Hamilton am Donnerstag in Brasilien. Und machte unmissverständlich klar, dass er seine Kritik nicht zurücknehmen wird.
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Leclerc-Attacke kostet Ferrari den Sieg
Dabei hatte in Mexiko alles nach einem großen Hamilton-Tag ausgesehen. Erstmals seit 2023 stand der Rekordweltmeister wieder auf der Poleposition. Doch die Freude über den besten Startplatz hielt nicht einmal eine Runde.
Leclerc griff seinen führenden Teamkollegen unmittelbar nach dem Start an. In Kurve vier gerieten beide Ferrari neben die Strecke, der Monegasse übernahm die Führung und kassierte später eine Fünf-Sekunden-Strafe.
Der Profiteur saß in einem Red Bull. Max Verstappen nutzte das Ferrari-Duell und holte seinen dritten Sieg aus den vergangenen vier Rennen. Hamilton blieb Platz zwei, Leclerc wurde Vierter. Aus dem möglichen Doppelsieg wurde nichts.
Nach dem Rennen rechnete Hamilton mit seinem Stallrivalen ab.
"Der Kerl ist 28 Jahre alt. Ich glaube also nicht, dass es am Alter liegt, sondern an der Mentalität."
Babyglück statt Krisengespräch
Dass Hamilton und Leclerc noch nicht miteinander gesprochen haben, hat allerdings einen erfreulichen Grund: Der Monegasse ist Vater geworden.
Am Dienstag brachte seine Frau Alexandra Tochter Bianca zur Welt. Leclerc blieb deshalb zunächst in Europa und verpasste den Medientag am Donnerstag in São Paulo. Erst am Freitag soll er in Brasilien eintreffen. Das erste Freie Training überlässt er Nachwuchsfahrer Dino Beganovic.
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Auch Teamchef Vasseur war nach Mexiko zunächst in die Ferrari-Fabrik nach Maranello zurückgekehrt.
Hamilton sieht weiterhin Gesprächsbedarf. Dass eine einzige Aussprache sämtliche Probleme lösen wird, glaubt er allerdings nicht.
Hamilton vor 400. GP: "Ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen"
Ausgerechnet vor seinem Jubiläumsrennen geht Hamilton nun besonders deutlich in die Offensive.
"Natürlich gibt es Momente, in denen man Dinge sagt, die man hinterher vielleicht bereut, aber ich tue das nicht, und ich werde mich niemals dafür entschuldigen, authentisch und ehrlich zu sein. Ich lasse mich nicht zum Schweigen bringen", erklärte der 41-Jährige.
Er sei zu Ferrari gekommen, um zu gewinnen. Dafür müsse die Mannschaft zusammenarbeiten. Dass seine Offenheit nicht immer gut ankomme, nehme er in Kauf.
"Es ist mir eigentlich egal, wie alle anderen zu dem stehen, was ich gesagt habe. Ich trage mein Herz auf der Zunge und sage, was ich in diesem Moment empfinde."
106 Siege, 105 Poles – Hamilton hat noch nicht genug
Nach 399 Grand Prix, 106 Siegen und 105 Polepositions hat Hamilton Zahlen erreicht, die er selbst kaum für möglich gehalten hätte.
"Es ist irgendwie verrückt. Ich hätte niemals gedacht, dass ich solche Zahlen erreichen würde", sagte der siebenfache Weltmeister.
Ans Aufhören denkt er deshalb noch lange nicht. Seine Poleposition in Mexiko sieht Hamilton als Beleg dafür, dass er auch mit 41 Jahren noch um Siege kämpfen kann.
"Ich fühle mich immer noch jung, und unabhängig davon, was die Leute sagen: Ihr habt meine Pole Position letzte Woche gesehen. Ich habe immer noch das Tempo, ich habe immer noch die Geschwindigkeit, ich habe immer noch die Hingabe, die am wichtigsten ist, und die Konzentration."
Für Ferrari-Teamchef Vasseur bleibt derweil ein unangenehmes Problem. Nach dem Mexiko-GP hatte der Franzose mangelnden Respekt gegenüber der Mannschaft und den rund 2.000 Mitarbeitern in Maranello beklagt.
Sportlich steht ebenfalls einiges auf dem Spiel: Ferrari liegt in der Konstrukteurs-WM 126 Punkte hinter Mercedes. Der mögliche Doppelsieg in Mexiko hätte den Rückstand verkürzen können.
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