Investiert werden in Summe rund drei Millionen Euro. 69 ausgebildete Vietnamesen aus dem ersten Durchgang des Projekts sind indes bereits in den Pflege- und Betreuungszentren der Landesgesundheitsagentur (LGA) im Einsatz.
Gestartet war das Projekt 2023, heuer zu Jahresbeginn haben die ersten Auszubildenden des Pflegeassistenz-Lehrgangs für Vietnamesen ihren Abschluss gemacht. Sie besuchten nach einem Deutsch-Lehrgang in der Heimat das "International Nursing Center" in Krems, in dessen Rahmen das Land mit der IMC Fachhochschule Krems kooperiert. Vom sogenannten ersten Projektdurchgang befinden sich aktuell noch 75 Personen aus Vietnam in Ausbildung. Die entsprechenden Lehrgänge enden im kommenden Jahr im Februar, Mai und September, skizzierte Markus Golla, Institutsleiter Pflegewissenschaft am IMC, vor Journalisten in St. Pölten.
69 Kräfte aus Vietnam sind in den Pflege- und Betreuungszentren in Niederösterreich bereits im Einsatz. Die geografischen Schwerpunkte seien diesbezüglich das Wald- und Weinviertel sowie die Thermenregion, sagte LGA-Vorständin Elisabeth Bräutigam. Die vorhandenen Teams könnten durch zusätzliche Pflegekräfte stabilisiert werden, aus Sicht der LGA sei dies der "große Nutzen" des Projekts.
Teschl-Hofmeister: Nicht Verdrängung, sondern Unterstützung für heimische Kräfte
Bis 2032 ist das Pflegeprojekt nun darauf ausgelegt, dass 110 potenzielle Pflegeassistentinnen und Pflegeassistenten nach Österreich kommen. Es gelte das Motto "Qualität vor Quantität", hob Teschl-Hofmeister hervor, letztlich sollten die Häuser bei der Integration der Absolventen auch nicht überfordert werden. Die Landesrätin unterstrich, dass das Personal aus Vietnam explizit nicht Verdrängung, sondern Unterstützung für die heimischen Pflegekräfte sei. Das System zu vergünstigen oder Arbeitskräfte in Niederösterreich zu ersetzen sei nicht das Ziel. Auch in Sachen Ausbildung gebe es "keine Abstriche" im Vergleich zu heimischen Studierenden, bekräftigte Golla. Gefragt seien "Menschen mit hohem empathischen Grad, die sich auch integrieren wollen"
Sie betonte weiters, dass für die Pflegekräfte aus Vietnam dieselben hohen beruflichen Anforderungen gelten würden wie für Österreicherinnen und Österreicher bzw. für die anderen Pflegekräfte in der Landesgesundheitsagentur. Die Pflegekräfte würden bereits in Vietnam Deutsch lernen und müssten die notwendigen fachlichen und sprachlichen Voraussetzungen erfüllen. Sie seien keine Pflegekräfte zweiter Klasse, sondern würden bei gleicher Qualifikation auch gleich entlohnt. Viele von ihnen würden bereits ausgezeichnet Deutsch sprechen, auch wenn der niederösterreichische Dialekt natürlich eine besondere Herausforderung darstelle. Das Land Niederösterreich investiert pro Jahr 600.000 Euro in das Projekt.
Niederösterreich wird nun weitere 110 Studierende nach Niederösterreich holen. Dabei setzt die Landesgesundheitsagentur bewusst auf Qualität, denn kleinere Gruppen ermöglichen eine bessere Begleitung. Elisabeth Bräutigam, Vorstand für Medizin und Pflege der NÖ Landesgesundheitsagentur, erläuterte: "Das Ankommen und der Dienstantritt sind für die neuen Kolleginnen und Kollegen immer eine besondere Herausforderung. Wenn dieser Schritt in einem anderen Land erfolgt, ist der damit verbundene Stress für alle Beteiligten noch einmal größer. Deshalb sind Fairness und Gleichbehandlung für uns ganz besonders wichtig. Die neuen Pflegekräfte sind gleich ausgebildet und erfüllen dieselben fachlichen Anforderungen. Unser Ziel ist es, die Mitarbeiterinnen langfristig in Niederösterreich zu halten. Dass einige unserer neuen Kolleginnen und Kollegen mittlerweile sogar im örtlichen Kirchenchor mitsingen, zeigt, wie gut Integration funktionieren kann." Professor Golla betonte, dass die Politik das Projekt von Beginn an sehr gut unterstützt habe. Die Integration funktioniere wunderbar und werde von vielen Beteiligten mitgetragen. Seit Beginn des Projekts im Jahr 2023 habe man zahlreichen Menschen eine berufliche Zukunft ermöglicht, die sie sonst in dieser Form nicht gehabt hätten. Eine besondere Herausforderung sei die Sprache: Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer würden in Vietnam Hochdeutsch lernen und anschließend in eine Region kommen, in der im Alltag vielfach Dialekt gesprochen werde. Dazu komme noch die Pflege-Fachsprache. Bei der Betreuungsqualität dürfe es keine Abstriche geben, daher gelte derselbe Qualitätsanspruch wie bei den anderen Ausbildungen in Österreich. Die nächste Gruppe werde im Februar ihre Schulausbildung abschließen.
Kritik von SPÖ-Hergovich
Die schwarz-blaue Landeskoalition hat in der heutigen Sitzung der niederösterreichischen Landesregierung die Verlängerung und Ausweitung des Projekts zur Ausbildung vietnamesischer Pflegekräfte an der IMC Fachhochschule Krems beschlossen. SPÖ NÖ-Landesparteivorsitzender Sven Hergovich kritisiert die "falsche Schwerpunktsetzung und den Kurswechsel der FPÖ", die das Projekt bei seiner ursprünglichen Beschlussfassung noch abgelehnt hatte. "Wir brauchen dringend mehr Pflegekräfte in Niederösterreich. Aber bevor wir Steuer-Millionen dafür ausgeben, Menschen vom anderen Ende der Welt anzuwerben, sollten wir endlich dafür sorgen, dass jene, die bereits in der Pflege arbeiten oder diesen Beruf ergreifen wollen, vernünftige Bedingungen vorfinden. Bessere Bezahlung, verlässliche Dienstpläne, planbare Freizeit und Arbeitsbedingungen, die ein gesundes Berufsleben ermöglichen, müssen an erster Stelle stehen", betont Hergovich.
"Aktuell Beschäftigte laufen oft davon"
Eine Befragung der Arbeiterkammer Niederösterreich aus dem Jahr 2023 zeigt, dass 41 Prozent der befragten Beschäftigten im Gesundheits- und Pflegebereich nicht glauben, ihren Beruf bis zur Pension ausüben zu können. Jede vierte befragte Person denkt mindestens einmal wöchentlich über einen Berufswechsel nach. "Das sind alarmierende Zahlen. Wir bilden Pflegekräfte aus, während gleichzeitig viele erfahrene Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter überlegen, den Beruf aufzugeben. Wer den Pflegenotstand ernsthaft bekämpfen will, muss genau dort ansetzen.
"Es kann nicht die Lösung sein, ständig neues Personal anzuwerben, während uns auf der anderen Seite die Beschäftigten davonlaufen", so Hergovich. Besonders kritisch sieht Hergovich die Gefahr, dass teuer angeworbene und ausgebildete Pflegekräfte Niederösterreich in Richtung anderer Bundesländer gleich wieder verlassen: "Was bringt es, wenn wir mit niederösterreichischen Steuer-Millionen Pflegekräfte aus Vietnam holen und ausbilden, die dann feststellen, dass sie in anderen Bundesländern besser verdienen und dort auch bessere Arbeitsbedingungen vorfinden? Wir müssen Niederösterreich endlich zu einem Bundesland machen, in dem Pflegekräfte gerne arbeiten und auch langfristig bleiben."
Deutliche Kritik übt Hergovich auch an der FPÖ, die bei der ursprünglichen Beschlussfassung noch gemeinsam mit der SPÖ gegen das Projekt gestimmt hatte, nun aber dessen Verlängerung und Ausweitung mitträgt: "Die FPÖ hat dieses Projekt ursprünglich abgelehnt und stimmt jetzt seiner Ausweitung zu. Offenbar werden – kaum in Regierungsposition – alle Grundsätze über Bord geworfen. Statt konsequent zu bleiben, agiert sie abermals als blaues Anhängsel der ÖVP NÖ und vergisst die vielen Pflegerinnen und Pfleger im Land, die nur auf ein Zeichen der Anerkennung ihrer großartigen Leistung warten würden."
Hergovich abschließend: "Jede Pflegekraft, die unser Gesundheitssystem unterstützt, ist willkommen – unabhängig von ihrer Herkunft. Aber die schwarz-blaue Landeskoalition muss endlich die richtigen Prioritäten setzen: Pflegekräfte besser bezahlen, Arbeitsbedingungen verbessern und dafür sorgen, dass die Menschen auch im Beruf bleiben. Denn die beste Antwort auf den Personalmangel ist, jene nicht zu verlieren, die den Beruf bereits ausüben", hält Hergovich abschließend fest.
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