Wie müde sind europäische Flugkapitäne, wenn sie im Cockpit sitzen? Eine gerade veröffentlichte Studie beleuchtet die Arbeitsbedingungen in der Luftfahrt. Die Untersuchung, die von Baines Simmons für die European Cockpit Association (ECA) durchgeführt wurde, basiert auf den Antworten von 7.200 Mitgliedern des Flugpersonals aus 32 Ländern. Die Daten wurden während der arbeitsintensiven Sommermonate gesammelt. Die Ergebnisse zeigen, dass die Zustände sich seit der letzten großen Befragung im Jahr 2023 kaum verbessert haben.
Gefahr durch Ermüdung im Cockpit
Die blanken Zahlen der Studie sprechen eine deutliche Sprache. Mehr als drei von vier Befragten (76,8 Prozent) erlebten in den vergangenen vier Wochen mindestens einmal einen Sekundenschlaf, während sie ein Flugzeug steuerten. Gleichzeitig gaben 38,8 Prozent an, dass sie meistens oder immer zu wenig Ruhezeit bekamen, um einer kumulativen Erschöpfung vorzubeugen.
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Große Angst vor Strafen
Viele Piloten scheuen sich vor einer offiziellen Meldung. Nur 37,2 Prozent erklären, dass sie sich krank oder zu müde für den Dienst melden. Im Gegensatz dazu fliegen 24,2 Prozent der Piloten trotz ihres Zustands einfach weiter. Die Angst vor Strafen und negativen Reaktionen des Managements bleibt dabei ein großes Hindernis.
Die Untersuchung zeigt auch Probleme mit dem Ermessensspielraum des Kommandanten auf, der Dienstzeitverlängerungen in Ausnahmefällen erlaubt. Etwa 38,3 Prozent nutzten diese Regelung im Untersuchungszeitraum mindestens einmal, 15,2 Prozent sogar zweimal oder öfter.
Straffreies Meldewesen gefordert
Insgesamt äußerten 69,1 Prozent die Sorge vor negativen Konsequenzen, falls sie eine solche Verlängerung ablehnen würden. Kapitän Coen George, Vorstandsmitglied der ECA, warnt: "Wenn Piloten berufliche Konsequenzen fürchten, bleibt Ermüdung ungemeldet und das Risiko kehrt ins Cockpit zurück. Fluggesellschaften und Behörden müssen ein wirklich straffreies Meldewesen und die Nutzung des Ermessensspielraums sicherstellen."
Die aktuellen Erkenntnisse liefern zudem wichtige Beweise für die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA. Diese arbeitet derzeit an einer Strategie zur optimalen Intervention bei erschöpften Crews und prüft mögliche Änderungen der Vorschriften für Flugdienstzeiten. So sollen bewährte Verfahren und Standards zwischen den europäischen Nationen langfristig gefördert werden. Die ECA vertritt als Dachverband auf EU-Ebene über 44.000 Mitglieder aus 33 europäischen Staaten.
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