Es ist das absehbare Ende eines der meistdiskutierten Fahrzeugmodelle der jüngeren Automobilgeschichte. Elon Musk verkündete über seine Online-Plattform X, dass Tesla die Fertigung des kantigen Edelstahl-Pickups im Werk in Austin im US-Bundesstaat Texas auslaufen lassen wird.
Die Fabrik in Texas ist der einzige Produktionsstandort weltweit, an dem der polarisierende Wagen bislang vom Band rollte. Schon Mitte 2027 soll der letzte neue Cybertruck das Licht der Welt erblicken.
Offiziell heißt es: Die Hallen und Fertigungsstraßen werden dringend benötigt, um Platz für die geplante Massenproduktion des neuen Robotaxis "Cybercab" zu schaffen.
Ob die Fertigung des Cybertrucks zu einem späteren Zeitpunkt an einem anderen Standort wieder aufgenommen wird oder das Fahrzeug endgültig in Rente geschickt wird, ließ die Konzernführung laut CNN zunächst offen.
Auch interessant
Die harten Fakten zum Cybertruck-Ende
Der futuristische E-Pickup blieb bis zuletzt weit hinter den ursprünglichen Erwartungen des Managements zurück:
- Drastische Zielverfehlung: Auf der Tesla-Aktionärsversammlung im Jahr 2023 hatte Musk noch vollmundig eine jährliche Auslieferung von rund 500.000 Fahrzeugen in Aussicht gestellt.
- Schwache Verkaufszahlen: Tesla weist die Cybertruck-Zahlen in den Quartalsberichten nicht separat aus; in der Sammelkategorie für "andere Modelle" (die auch die eingestellten Baureihen Model S und Model X umfasst) wurden heuer jedoch weniger als 37.000 Einheiten registriert.
- Spott und Kritik: Während treue Tesla-Anhänger das kantige Design feierten, verspotteten Kritiker den Wagen in den sozialen Netzwerken als rollenden Müllcontainer („dumpster chic“).
Politisches Desaster und 113 Milliarden Dollar Vermögensverlust
Das Aus für das Kult-Auto passt ins Bild einer regelrechten Horrorwoche für den Tesla-Patron. Musk erlebte politisch wie finanziell ein absolutes Debakel. Satte 500 Millionen Dollar an Wahlkampfspenden hatte er in die US-Zwischenwahlen für republikanische Kandidaten gepumpt – und ging nach einer krachenden Wahlniederlage komplett leer aus.
Die Quittung an der Börse folgte auf dem Fuß: Eine massive Talfahrt bei Technologie- und KI-Aktien zog die Papiere seiner beiden Vorzeigekonzerne Tesla und SpaceX um mehr als zwölf Prozent nach unten. Binnen 48 Stunden schrumpfte Musks privates Vermögen laut Bloomberg um unfassbare 113 Milliarden Dollar. Auch wenn er weiterhin der reichste Erdenbürger bleibt, hat der Nimbus der Unbesiegbarkeit tiefe Risse bekommen.
Um die Zukunft des Konzerns zu sichern, opfert Musk nun schrittweise den klassischen Automobilbau. Zuvor war bereits im Werk in Kalifornien die Produktion der teuren Nobel-Modelle Model S und Model X gestoppt worden, um Hallenplätze für den Roboter "Optimus" freizuschaufeln. Musk sieht Teslas Zukunft längst nicht mehr im Neuwagenverkauf, sondern träumt von einem gigantischen Netz aus Robotaxis und künstlichen Dienstboten.
Der Abschied vom Cybertruck zeigt schonungslos: Musks einstige Elektro-Offensive weicht einer riskanten Wette auf eine noch völlig offene Zukunft.
OE24 TV Live-Stream
OE24 TV Live-Stream
Fehler im Artikel gefunden?Jetzt melden