Antalya

UNO-Klimakonferenz startet: Es geht ums Geld

Ein älterer Mann im Anzug spricht bei einer Veranstaltung im Freien am Wiener Heldenplatz.
© IMAGO/Isabelle Ouvrard
Mit dem Novum einer geteilten Präsidentschaft startet am 9. November die 31. UNO-Klimakonferenz COP31 im türkischen Antalya.
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Während Australiens Umweltminister Chris Bowen als Präsident der Verhandlungen agieren wird, ist sein türkischer Amtskollege Murat Kurum der eigentliche COP-Präsident. Auf dem offiziellen Webportal wurden mit Finanzierung, Klimawandelanpassung und Klimazielen die drei Schwerpunkte für die kommenden zwei Wochen genannt.

Es gehe in allen Punkten darum, die auf den vergangenen COPs eingegangenen Verpflichtungen in konkrete Maßnahmen umzusetzen - eine Zielsetzung, die auch EU-Klimakommissar Wopke Hoekstra teilt. Er erklärte gegenüber Bloomberg Ende Oktober jedoch auch, dass "jede Diskussion über neue Finanzmittel zum Scheitern verurteilt" sei - zumindest dann, wenn es die EU sei, die diese bereitstellen soll. Eine Aussage, die die Nachrichtenagentur dahingehend interpretierte, dass diese sich erneut an Staaten wie China oder die Golfstaaten richtete.

Auch die UNO meldete sich im Vorfeld der COP31 zur Thematik: Angesichts der zunehmenden Folgen der Klimakrise müsse sich die Finanzierung der Klimaanpassung ärmerer Länder in den kommenden Jahren auf 305 Milliarden Dollar (273 Milliarden Euro) jährlich nahezu zu verzehnfachen. Eine Finanzierungsdiskussion scheint auch in Antalya eine sichere Bank zu sein, nicht zuletzt weil das neue, vor zwei Jahren beschlossene Klimafinanzierungsziel ("New Collective Quantified Goal") auf seine Umsetzung wartet. Betreffende Dispute sind wohl in der zweiten Verhandlungswoche zu erwarten, in der dann auch Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) bei der bis 21. November angesetzten COP anwesend sein wird. Davor wird Bundespräsident Alexander Van der Bellen von 10. bis 12. November an der UNO-Klimakonferenz teilnehmen.

"Keine einzelne COP ist ein Wundermittel"

Der aktuelle UNO-Klimagipfel findet im Hintergrund einer herausfordernden weltpolitischen Lage und erneut ohne die USA statt, die seit 2026 auch wieder aus dem Pariser Klimaabkommen ausgestiegen sind. "Keine einzelne COP ist ein Wundermittel, das den Klimawandel über Nacht aufhalten kann. Aber jede der jüngsten COPs hat wesentliche Fortschritte erzielt. Das wird auch bei der COP31 in Antalya der Fall sein", gab sich der Exekutivsekretär der UNO-Klimarahmenkonvention (UNFCCC), Simon Stiell, aber wenige Tage vor dem Beginn der Verhandlungen vorsichtig optimistisch. Fix erwarten kann man, dass der zweite Global Stocktake (GST), die globale Bestandsaufnahme zum Pariser Klimaabkommen, starten wird.

"Der Klimawandel und seine Auswirkungen werden weltweit immer massiver spürbar. Daran hat uns besonders der heurige Hitzesommer mit einer Rekorddürre eindrücklich erinnert. Die Herausforderungen in der Landwirtschaft, bei der Ernährungssicherheit und bei der Wasserversorgung betreffen uns alle. Ich erwarte mir daher von der Weltklimakonferenz, dass alle Staaten Maßnahmen setzen, um den Klimawandel einzudämmen und einen Beitrag leisten, eine hohe Lebensqualität für die Menschen zu sichern", meinte Österreichs Umweltminister Norbert Totschnig (ÖVP) am Sonntag. Für Österreich und die EU gehe es vor allem darum, Emissionen zu reduzieren, die das Klima aufheizen: "Hier leisten wir natürlich als kleines Land unseren Beitrag, aber die gesamte Weltgemeinschaft muss ihre Anstrengungen weiter verstärken. Wir werden uns daher bei der Konferenz aktiv und konstruktiv einbringen."

Greenpeace verlangt von Totschnig, "Kante zu zeigen"

"Totschnig muss in Antalya endlich Kante zeigen. Wer im Jahr 2026 immer noch neue Gasbohrungen zulässt und fossile Konzerne schützt, sabotiert unsere Zukunft", appellierte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich, an den Umweltminister. Es müsse "klare Leitplanken für eine grüne Elektrifizierung" geben: "Der Wechsel von Kohle, Öl und Gas hin zu Strom ist ein zentraler Hebel, damit der globale Ausstieg aus fossiler Energie gelingen kann. Die globale Elektrifizierung darf jedoch kein Schlupfloch für Anbieter von fossilem Strom werden". Bis 2035 müsse mindestens 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen, verlangte Duregger in einer Aussendung einen "weltweiten Befreiungsschlag aus der fossilen Abhängigkeit".

Auch in Österreich gelte es, den fossilen Ausstieg voranzutreiben und einen klaren Ausstiegsplan für Öl und Gas zu verankern, betonte Greenpeace. Totschnig müsse ein sofortiges Verbot neuer Öl- und Gasexplorationen in Österreich sowie das endgültige Aus für die heimische fossile Förderung bis spätestens 2035 festschreiben.

Türkei will mit "Global 35x35 Pledge" punkten

Die türkische Präsidentschaft hofft indessen mit dem "Global 35x35 Pledge" zu punkten. Damit ist das Versprechen gemeint, den Anteil von Strom am gesamten Endenergieverbrauch weltweit bis 2035 auf 35 Prozent zu steigern ("35 bis 35"), "ergänzend zu den Bemühungen zum Ausbau erneuerbarer Energien". Charlotte Unger vom Berliner RIFS Forschungsinstitut für Nachhaltigkeit hielt dazu in einem Briefing des Science Media Centers (SMC) Deutschland fest, dass dieses Ziel einerseits kein Verhandlungsstrang sei und daher nicht unbedingt im abschließenden Text landen muss, sondern eine Deklaration sein könne, zu der sich dann einzelne Staaten freiwillig bekennen.

"Die Verhandlungen in Antalya müssen zum weltweiten Befreiungsschlag aus der fossilen Abhängigkeit werden. Elektrifizierung ist eine Lösung dafür, jedoch nur, wenn der Strom fossil- und atomfrei produziert wird", betonte Jasmin Duregger, Klima- und Energieexpertin bei Greenpeace in Österreich. Die NGO fordert, dass bis 2035 mindestens 75 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien stammen müssen.

Ob fossile Energien in Antalya, auch jenseits des "Global 35x35 Pledge", tatsächlich zu einem am Ende auch schriftlich festgehaltenen Thema werden, kann jedoch bezweifelt werden: Bei der Vorgänger-COP im brasilianischen Belem, der "Konferenz der Wahrheit", hat es nicht einmal das Wort "fossil" in die Abschlusserklärung geschafft. Der Gastgeber reagierte mit der Ankündigung einer "Roadmap" auf freiwilliger Basis. Zum Abschluss der Amtszeit hat COP30-Präsident André Corrêa do Lago Anfang der Woche nun zwei internationale Fahrpläne vorgestellt: Einen zur Abkehr von fossilen Brennstoffen in den Energiesystemen, die genannte "Roadmap", wie auch einen weiteren zur Beendigung der Entwaldung.

Große Forderungen vs. kleine Erwartungen

Nicht nur Pledges oder freiwillige Fahrpläne will hingegen der WWF in der Türkei sehen, sondern konkrete Fortschritte beim Entwaldungsstopp bis 2030 sowie die Umlenkung fossiler Subventionen in Klimaschutz und Renaturierung. "Mit ihrer bisherigen Politik steuern die Staaten weit am Pariser Klimaziel vorbei. Die COP31 muss einen klaren Fahrplan für den Ausstieg aus Kohle, Öl und Gas auf den Weg bringen", sagt WWF-Experte Reinhard Uhrig.

Ganz anders sieht die EU in Richtung Türkei, denn früher habe man sich auf einen einzelnen, großen Durchbruch konzentriert oder auf nachprüfbare Ziele: "Aber die veränderte geopolitische Lage erfordert eine Neuausrichtung", hieß es in einem Strategiepapier, das der Nachrichtenagentur AFP vorliegt und Mitte Oktober publiziert wurde. "Wenn solche Erwartungen formuliert werden, kann ein fehlender Durchbruch später als Beleg für ein Scheitern dargestellt werden", hieß es da.

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