Ungesteuert

Weltraumteleskop stürzt ab: Trümmer rasen unkontrolliert auf die Erde zu

Satellit umkreist die Erde mit sichtbaren Stadtlichtern und digitalen Netzwerkverbindungen.
© Getty Images
Ein ausgedientes Weltraumteleskop der US-Raumfahrtbehörde NASA tritt in den kommenden Stunden unkontrolliert in die Erdatmosphäre ein. Nach 21 Jahren im Einsatz verglüht das tonnenschwere Observatorium, wobei Trümmerteile auf die Erdoberfläche stürzen können.
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Das rund 1.450 Kilogramm (3.200 Pfund) schwere Swift-Observatorium wurde im Jahr 2004 ins All geschossen, um Gammastrahlenausbrüche – die gewaltigsten Explosionen des bekannten Universums – sowie weitere hochenergetische kosmische Objekte und Phänomene zu erforschen. Ursprünglich war die Mission lediglich auf eine Hauptbetriebszeit von zwei Jahren ausgelegt. Swift übertraf alle Erwartungen und lieferte über zwei Jahrzehnte hinweg unschätzbare Daten aus der erdnahen Umlaufbahn.

In jüngster Zeit begann der Orbit des Teleskops aufgrund stark gestiegener Sonnenaktivität rapide zu verfallen. Die oberen Schichten der Erdatmosphäre dehnten sich durch die Sonnenstürme aus, bremsten Swift ab und besiegelten das Schicksal des Flugkörpers. Neueste Modellrechnungen zeigen, dass Swift voraussichtlich am Mittwoch um 11:19 Uhr US-Ostküstenzeit (17:19 Uhr mitteleuropäischer Zeit) in die Erdatmosphäre eintreten wird.

Ingenieure in Schutzanzügen arbeiten an der Auspackung einer Raumsonde in einer Reinraumumgebung.
Weltraumteleskop Swift wurde im Jahr 2004 in den Weltraum geschickt. © AFP

In einer offiziellen Erklärung teilte die NASA mit: "Die Wiedereintrittsorte möglicher überlebender Komponenten können von Hemisphäre zu Hemisphäre variieren und hängen exakt davon ab, wann der Wiedereintritt erfolgt." Eine aktualisierte Flugbahnkarte zeigt Korridore über Teilen Mittel- und Südamerikas, Afrikas, Süd- und Südostasiens sowie Nordaustraliens, neben weiten Teilen des Pazifischen, Atlantischen und Indischen Ozeans. Punktgenau lässt sich der Aufschlagpunkt nicht vorhersagen, da entscheidend ist, in welchem Augenblick das Raumfahrzeug zerbricht.

"Was hinaufsteigt, muss auch wieder herunterkommen"

John Nousek, Astronom an der Pennsylvania State University und an der Mission beteiligt, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur AP: "Wir wussten schon vor dem Start von Swift, dass dieser Tag kommen würde. Zumindest im erdnahen Orbit gilt: Was hinaufsteigt, muss auch wieder herunterkommen. Und dieses Ende ist katastrophal." Überlebende Fragmente könnten in einem breiten Gürtel um den Äquator niedergehen. Die USA und Europa liegen nach Angaben der Raumfahrtbehörde außerhalb der potenziellen Einschlagszone.

30-Millionen-Dollar-Rettung im Sommer gescheitert

Dem nun bevorstehenden Crash ging ein dramatischer Rettungsversuch voraus. Im vergangenen August unternahm die NASA große Anstrengungen, um das wertvolle Forschungsinstrument vor dem Absturz zu bewahren:

  • Die Behörde investierte 30 Millionen Dollar in eine Rettungsmission.
  • Ein eigenes Raumfahrzeug namens Link sollte Swift ankoppeln und in eine höhere, sichere Umlaufbahn schieben.
  • Link startete Anfang Juli, geriet jedoch wenige Wochen nach dem Start in eine unkontrollierbare Taumelbewegung.
  • Obwohl Flugkontrolleure das Taumeln verlangsamen konnten, machten anhaltende Probleme bei Ausrichtung und Positionierung im Orbit die Rettung unmöglich.

NASA-Administrator Jared Isaacman bilanzierte: "Das ist nicht das Ergebnis, auf das wir hingearbeitet haben, aber es ändert nichts daran, warum diese Mission einen Versuch wert war." Nach dem Abbruch des Rettungsmanövers nahm Swift noch einmal wissenschaftliche Beobachtungen auf und spürte weitere Hochenergie-Ereignisse auf. Ende Oktober stand das Instrument jedoch zu tief für stabile Messungen, woraufhin die NASA sämtliche Systeme abschaltete.

Beeindruckende Bilanz für die Astronomie

Swift hinterlässt ein monumentales wissenschaftliches Vermächtnis. Das Observatorium fungierte im Weltall als unersetzlicher Ersthelfer:

  • Entdeckung von mehr als 2.000 Gammastrahlenausbrüchen
  • Erfassung von rund 1.400 explodierenden Sternen (Supernovae)
  • Beobachtung zahlreicher Kometen, Asteroiden und sterneverschlingender Schwarzer Löcher

Die herausragende Stärke von Swift war seine Fähigkeit, blitzschnell herumzuschwenken, sobald irgendwo am Firmament eine plötzliche Eruption aufblitzte. Anschließend alarmierte das Teleskop sofort größere Instrumente wie Hubble oder James Webb für vertiefende Analysen. Wissenschafter suchen nun mit Hochdruck nach Wegen, diese Lücke zu schließen. Nousek formulierte die Hoffnung, dass die gewonnenen Erkenntnisse künftigen Raumfahrtgenerationen dienen werden.

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